„Innovation entsteht nie allein“

Bernhard Lamprecht, der Geschäftsführer der Kärntner Technologieparks, im Interview

Mit seiner Wiederbestellung als Geschäftsführer der Kärntner Technologieparks bleibt Bernhard Lamprecht an der Spitze von Lakeside Park, Technologiepark Villach und Technologiepark Lavanttal. Im Interview spricht der 54-jährige Kärntner über seinen Antrieb, Führung in einem Innovationsökosystem und seine Vision für den Technologiestandort Kärnten. 

 

Herr Lamprecht, Ihre Position als Geschäftsführer der Kärntner Technologieparks verlangt, sich alle fünf Jahre erneut dem Auswahlverfahren zu stellen – heuer mit rund 50 Mitbewerber:innen. Was ging in Ihnen vor, als klar war: Sie bleiben Geschäftsführer?

Die Freude ist natürlich mehr als groß. Einerseits, weil damit die Leistungen der letzten Jahre bestätigt werden. Vor allem freut man sich aber, dass man mit diesem Team weiterarbeiten kann. Das ist letztlich das Entscheidende.

 

Was glauben Sie, hat am Ende den Ausschlag gegeben, dass Sie sich durchgesetzt haben? Fachliche Kompetenz, Vision, Teamführung – oder etwas anderes?

Ich glaube, bei solchen Entscheidungen ist es immer eine Mischung aus allem. Die fachliche Kompetenz zeigt sich ja auch darin, was sich in den letzten Jahren entwickelt hat und wie sich die Parks – Lakeside Park, Technologiepark Villach und Technologiepark Lavanttal – weiterentwickelt haben. Diese Entwicklung funktioniert nur, wenn die Teams passen und die Mitarbeiter gemeinsam an einem Strang ziehen. Und natürlich spielt auch die Vision eine große Rolle – also die Frage, wie man die Technologieparks weiterentwickelt und gleichzeitig das Technologieland Kärnten insgesamt nach vorne bringt.

 

Der Lakeside Park ist kein klassisches Unternehmen, sondern ein Innovationsökosystem.
Was bedeutet Führung in einem solchen Umfeld – anders als in traditionellen Organisationen?

Die Führung der Technologieparks unterscheidet sich gar nicht so stark von einer traditionellen Organisation. Der Unterschied liegt eher im Geschäftsmodell. In einem Innovationsökosystem geht es nicht nur darum, auf das eigene Unternehmen zu schauen, sondern mitzudenken: Was brauchen die Unternehmen am Standort? Was brauchen deren Mitarbeiter:innen, damit sie bestmöglich arbeiten können? Führung bedeutet hier also auch, Rahmenbedingungen für andere mitzugestalten – nicht nur für sich selbst.

 

Apropos gestalten. „Die Zukunft kommt nicht – wir gestalten sie gemeinsam.“ Dieser Satz taucht immer wieder auf. Ist das für Sie ein Claim – oder eine echte Überzeugung? Und wie lebt man das im Alltag als Geschäftsführer?

Die Zukunft zu gestalten funktioniert nur gemeinsam. Es geht sehr stark um Kooperation und Kollaboration. Zusammenarbeit bedeutet auch, offen zu sein und bereit zu sein, die Rolle eines Unterstützers und Möglichmachers einzunehmen. Man darf sich nicht abschotten, sondern muss darauf vertrauen, dass durch Zusammenarbeit mehr entsteht – dass ganz nach unserem Lakeside Park-Motto eins und eins eben nicht zwei, sondern elf ergibt.

 

Der Lakeside Park spricht von „Area of Innovation“, Open Innovation, Koralmbahn-Achse. Wo stehen wir heute – und wo wollen Sie mit dem Park in fünf bis zehn Jahren stehen?

Eigentlich geht es nicht um einen einzelnen Park, sondern um mehrere Parks und um eine gesamte Area of Innovation – von Villach über Klagenfurt und St. Paul bis nach Graz, Weiz und Leoben entlang der Koralmbahn-Achse. Dass Kärnten heute mehrere Technologieparks hat, zeigt, dass früh erkannt wurde, wie wichtig solche Innovationsökosysteme sind. Der starke Zuspruch von Unternehmen bestätigt das deutlich. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird es darum gehen, die Technologiepark-Infrastruktur in Kärnten weiter auszubauen und damit langfristige Entwicklungsräume für Unternehmen und Start-ups zu schaffen.

 

Sie betonen immer wieder Zusammenarbeit – regional, national, international. Warum ist Kooperation für Sie kein Nice-to-have, sondern eine strategische Notwendigkeit?

Das ergibt sich schon aus den vorhandenen knappen Ressourcen. Wir sehen überall den Mangel an Fachkräften. Kooperation bedeutet auch, voneinander zu lernen. Viele Lösungen existieren bereits irgendwo – und es macht wenig Sinn, immer wieder bei null zu beginnen. Entscheidend ist, Bestehendes weiterzuentwickeln und gemeinsam schneller voranzukommen.

 

Der Lakeside Park wächst – neue Gebäude, Drohnenarena, nachhaltige Energieinfrastruktur. Wie treffen Sie Entscheidungen zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und langfristiger Verantwortung – etwa in Sachen Nachhaltigkeit?

Das zentrale Wort ist hier „langfristig“. Wirtschaftlichkeit darf man nicht nur über drei oder fünf Jahre betrachten, sondern über die gesamte Nutzungsdauer eines Gebäudes oder einer Infrastruktur. Nachhaltige Lösungen wirken kurzfristig oft teurer. Langfristig rechnen sie sich aber – etwa bei Energieinfrastruktur oder Gebäudekühlung. Es geht also nicht darum, kurzfristig den maximalen Return zu erzielen, sondern nachhaltige Refinanzierung sicherzustellen.

 

Über 1.800 Menschen arbeiten im Lakeside Park. Was macht für Sie einen guten Standort aus?

Ein guter Standort bietet Aufenthaltsqualität. Menschen müssen sich wohlfühlen und Entwicklungsmöglichkeiten haben. Dazu gehört ein funktionierendes Umfeld – von Gastronomie über Kinderbetreuung bis hin zu Freizeitmöglichkeiten. Wichtig ist auch eine Umgebung, in der man kurz hinausgehen, Energie tanken oder sich austauschen kann. Der Wörthersee sowie das angrenzende Natura 2000 Naturschutzgebiet sind dabei natürlich Standortfaktoren.

 

Wie schon angesprochen – Sie führen mittlerweile mehrere Technologieparks in Kärnten. Was treibt Sie persönlich an? Standortpolitik? Innovation? Oder die Freude am Gestalten?

Auch hier ist es eine Mischung aus aktuellem Bedarf und Generationendenken. Es macht einfach Spaß, vorauszudenken und zu überlegen, wie sich ein Standort entwickeln kann. Viele Projekte sind keine kurzfristigen Vorhaben, sondern eher ein Marathon. Man setzt heute Entscheidungen, deren Wirkung man oft erst zehn oder zwanzig Jahre später sieht. Genau dieses langfristige Gestalten ist ein großer Antrieb.

 

Wenn Sie heute einen Satz formulieren müssten, der Ihre Vision für den Lakeside Park in den nächsten fünf Jahren beschreibt – wie würde er lauten?

Wir wollen die Technologieparks in Kärnten so weiterentwickeln, dass sie langfristig international sichtbare Innovationsräume sind – Orte, an denen Unternehmen, Forschung und Talente gemeinsam Zukunft gestalten. Ich glaube, wir sind uns oft gar nicht bewusst, welche Innovationskraft Kärnten tatsächlich hat. Es gibt hier zahlreiche Unternehmen, die weltweit tätig und in ihren Branchen führend sind – nicht nur in den Technologieparks, sondern im ganzen Land. Vielleicht müssen wir als Kärntnerinnen und Kärntner manchmal mit etwas breiterer Brust auftreten und stärker zeigen, was hier entsteht. Dazu gehört auch besseres Storytelling und das regelmäßige Sichtbarmachen dessen, was wir tun.

 

Wenn Sie auf Ihre erste Geschäftsführer-Periode, also die vergangenen fünf Jahre, zurückblicken – was ist Ihnen aus Ihrer Sicht besonders gut gelungen?

Rückblickend ist es gelungen, ein starkes Team aufzubauen und Know-how nachhaltig im Haus zu entwickeln. Bereiche, die früher stärker extern abgedeckt waren, konnten wir intern etablieren – das schafft Stabilität und langfristige Kompetenz. Weitere wichtige Punkte sind die bauliche Weiterentwicklung der Technologieparks sowie Veranstaltungen und mehrjährige Kooperationsformate. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Institutionen konnten wir kontinuierliche Formate etablieren, die Austausch ermöglichen und den Standort sichtbar machen. Dadurch hat sich der Lakeside Park noch stärker als Ort der Vernetzung und Innovation positioniert.

 

Was möchten Sie noch sagen?

Mir ist wichtig zu betonen, dass die Entwicklung der Kärntner Technologieparks immer eine Gemeinschaftsleistung ist. Innovation entsteht nie allein – sie entsteht durch engagierte Menschen, starke Partner und den gemeinsamen Willen, Zukunft aktiv zu gestalten.